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IDEALISTISCHE BETRACHTUNGEN - ZUR ERKENNTNISTHEORIE,
ZUM MINISTERIUM FÜR INFORMATIONSBESCHAFFUNG
UND ZU DEM GANZEN SOZIOLOGISCHEN REST
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Ein Kommentar zu:
Dirk H. Lorenzen,
"Von Dunkler Materie und
Dunkler Energie", TELEPOLIS.
Sowie Jutta Stegmaier in SuW
notMute Artikel


Hinweis (2019-01): Dieser (etwas unausgereifte) Text liegt zeitlich vor meiner Erörterung der 'Skalierung der Raumzeit', er war ein Beginn. Die Fachartikel, mit denen sich der Text auseinandersetzt, offenbarten einfach, daß man es in der Fundamentalphysik mit Priestern einer Ideologie zu tun hat.


Schwerkraft in der Kosmologie?

Kosmologie

Der Artikel "Von Dunkler Materie und Dunkler Energie" [1] stellt die Frage "Was stimmt nicht mit der Schwerkraft?". Der Artikel fordert die Fachwelt auf, mit einer Antwort radikal über bisherige Gedanken hinauszugehen.
– Als Leser wünscht man sich allerdings, im Artikel zunächst einmal die bekannten Gedanken der Physik berücksichtigt zu finden. (Angesichts mancher Veröffentlichungen bin ich erleichtert, mich nicht zu dieser Fachwelt zählen zu müssen.)

Bei der Frage "Was stimmt nicht mit der Schwerkraft?" ist es vor allem die Frage, die nicht stimmt.
Die Gravitation als Kraft mit der Assoziation "Schwere Masse" zu beschreiben, ist angebracht, wenn ein Sack Mehl an einer Federzugwaage hängt. – In weiterreichenden Beschreibungen der Gravitation (und schon gar in der Kosmologie) existiert SCHWERkraft nicht.
Bereits im Schulwissen hat es sich seit vielleicht 20 Jahren durchgesetzt: Die althergebrachte Frage, warum träge Masse und schwere Masse zufällig genau gleich gross sein sollten, ist falsch gestellt.
Es gibt nichts "Schweres"!
Es gibt nur die TRÄGHEIT bei der Ablenkung eines Objekts von der gleichförmigen Bahn, zu deren Überwindung eine KRAFT nötig ist (Beschleunigung).
Unter den Bedingungen einer gekrümmten Raumzeit (also z.B. in der Nähe der Erdmasse) ist ein Mehlsack permanent zu beschleunigen, um ihn am selben Ort zu bewahren. Er ist dabei nicht schwer, sondern träge.

Der hier kommentierte Artikel ist durchsetzt von mystischen Begriffen wie "Schwerkraft", "Anziehungskraft" und "Abstossungskraft". Mystisch sind die Begriffe, weil sie nichts benennen, ausser sich selbst, weil sie ungeeignet sind, erklärende Zusammenhänge herzustellen in den folgenden zwei behandelten Themen:

a) Galaxie-Regionen, deren Rotationsgeschwindigkeit mit Abstand vom Zentrum kaum abnimmt
Dieses Phänomen mit "Dunkler Materie" zu erklären – die letzlich (in Bezug auf Masse) nichts anderes wäre, als bekannte Materie, erklärt nichts.
Dunkle Materie würde sich genauso über die Zeit in Klumpen zentrieren, wie von anderer Masse bekannt – sie wäre nicht mehr als ein Faktor bei der Berechnung der Rotation einer Galaxie. Das qualitativ abweichende Verhalten würde sie nicht erklären.
Die angenommene Dunkle Materie verhält sich in Bezug auf Krümmung der Raumzeit also NICHT wie einfache Masse (anders als im Artikel behauptet).
Wenn die Einführung einer spekulativen Grösse das Phänomen nicht erklärt, kann man sich diese sparen.
Krümmung der Raumzeit ist anscheinend NICHT einfach eine Funktion der Masse, sondern nur in bestimmtem Fall mit Masse begründbar.

b) beschleunigte Expansion des Universums
Auch bei der Expansion des Universums geht es nicht um Masse oder Energie (und sei sie noch so dunkel), sondern um die Wahrnehmung von Veränderungen der Raumzeit.

Ohne eine gewisse Verflachung in der Sprache und ohne Bildhaftigkeit (Metaphern) kommt man in der Kosmologie nicht aus, aber der o.g. Artikel ist derart flach, dass man sich fragt: Welche Bedingung wirkt entscheidend auf die Krümmung der Raumzeit: Physik oder Dunkelheit (Dunkelheit in den Köpfen der Physiker).

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(Ergänzung 2007-08)
Zu Jutta Stegmaier / SuW  [2]
Anstatt die Wechselwirkungen in der Welt (das Verstehen ihrer Bedingtheiten) als die Welt selbst zu begreifen, brauchen manche Vertreter des Fachs die Vorstellung von "Teilchen", um die Welt denken zu können.
Das geht soweit, dass sogar von "Raum-Teilchen", "Gravitations-Teilchen" und "Masse-Teilchen" gesprochen wird (und dabei ist dann "Masse" usw. nicht als Eigenschaft, sondern als die Sache selbst gemeint). Statt sich einzugestehen, dass Gravitation anders ist, als bisher angenommen [3], wollen solche Denker einfach nur mehr von dem, was in ihre Vorstellung passt ("Materie"). Die Krönung dessen aber sind "Substanzen".

"Rätselhafte Substanzen", wie von Frau Jutta Stegmaier in ihrem Artikel in suw 8/2007 als kosmologische Kategorie eingeführt, gehören jedenfalls nicht zu den o.g. Bedingungen einer Raumzeit-Krümmung.
Dann schon eher de Selbys "Perkussionen". Allerdings ist zu bedenken:

"Hämmern ist alles andere als das, als was es uns erscheint" [...] eine solche Behauptung entzieht sich jeder expliziten Widerlegung und erscheint unnötig und wenig erhellend.
— Flann O'Brien, "The Third Policeman", novel, 1940
</sarkasmus>

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(Ergänzung 2011-12)
Zu Brian Greene.
Eine Menge Menschen haben –in den meisten Fällen nicht beneidenswert– Einblick in andere Universen.
Man stelle sich eine Welt vor, die nicht im dreidimensionalen Raum ist, sondern ein Abstraktum ist, wie z.B.

"Zähe Klebrigkeit", die sich wie Sirup zu unendlichen Fäden zieht – nicht Fäden im Raum, sondern in einem Medium wie das endlose Widerhallen spitzer Schreie. – Sirup und Schrei wandeln sich ineinander in vibrierenden Frequenzen und bilden unfassliche Strukturen – Strukturen des abgründig Fremden, aus unserer Sicht Strukturen der "entsetzten Existenz".

(Unsere bekannte Welt wäre ohne die Gnade des langsamen Hineinwachsens in diese und ohne die Gnade der Gewöhnung nichts anderes.)

Aber ausgerechnet Brian Greene, der sich vorstellen kann, in einer anderen Universums-Kugel ('gleich neben der unseren') als Dirigent, statt als Theortischer Physiker zu arbeiten, der also keine Ahnung hat, wovon er in seinen TV-Shows redet, ist der Mann der letzten Wahrheiten.
Andere Universen sind immer und überall – man kann nur niemandem wünschen, in das Grauenvolle dieser Abgründe zu schauen.
Prädestiniert, sich Physiker zu nennen, ist anscheinend, wer andere Universen nicht in sich hat.

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(Ergänzung 2013-03)
Dunkle Energie.
Meine ironische Spekulation über 'dunkle Energie' an dieser Stelle habe ich gelöscht. Das angebliche Wirkprinzip von 'dunkler Energie' ist so fundamental unsinnig, dass ich auf meinen ausführlichen Aufsatz "Not dark yet" verweise.
( Ein Kernsatz des gelöschten Textes: "Schliesslich ist die Welt keine Kugel, die irgendwo eine Aussenfläche hätte, sondern eine Wahrnehmung, abhängig vom Standpunkt der Betrachtung." [4] )

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[1] Dirk H. Lorenzen, "Von Dunkler Materie und Dunkler Energie", Fachartikel in TELEPOLIS spezial 02/2007, Kosmologie, S.66-69, Heise Zeitschriften Verlag, Hannover

[2] Jutta Stegmaier, "Dunkle Materie - das Gerüst des Universums", Sterne und Weltraum, Ausgabe 8/2007.

[3] Meine Schlussfolgerung, dass Gravitation andere Wirkprinzipien haben muss, als bisher bekannt, wurde, wie ich jetzt bemerke (2013-02), bereits in den 1980ern von anderen versucht: MOND - Modified Newtonian Dynamics. "Milgrom's idea is that at very low intensity, like out at the edges of galaxies, weakening [of gravity] should slow."

[4] Das Universum mit Attributen wie "erbsengrosse Kugel nach dem Urknall" und "Milliardstel eines Milliardstels eines Milliardstels" zu belegen, wie es die Koryphäen der Physik in den TV-Dokumentationen gerne tun, ist wie Märchenerzählen in dunklen Kemenaten des 18. Jahrhunderts. – Die Märchenonkel wollen nicht nur kleine Kinder schockieren – die denken wirklich so.
Hier eine Aufklärung dazu: Ausserhalb des Universums ist keine Dimension, z.B. kein Raum. Der Begriff Universum sagt ganz klar: alles ist innerhalb. Bei Dimensionslosigkeit des "Ausserhalb" gibt es auch keine "Kugel" als Form des Innerhalb (des Universums) und wo dem Denkenden der Maszstab fehlt, gibt es auch keine "Kleinheit".
Die Naturgesetze und der Ablauf der Zeit ändern sich mit der Dichte des Universums. Aber für den Grad der Komplexität des Universums und der ihm innewohnenden Möglichkeiten spielt es keine Rolle. ob so ein Wissenschaftler es für "gross" oder "klein" hält.
Das verblüffende Ausmasz an intellektueller Fehlleistung in der Zunft der Kosmologen zeigt sich bei deren Mutmaszungen über Kollisionen verschiedener Universen (was Wellen in deren Struktur hinterlassen haben könnte). – Das schliesst sich nämlich logisch aus: Wenn es ein Medium gibt, in dem zwei "Universen" kollidieren können, ist dieses Medium das Universum. Es ist einfach Unsinn, für den es weder empirische Hinweise noch argumentative Veranlassung gibt.
Kosmologen (jedenfalls die, die deren Rede führen) begreifen nicht, dass sich die unendlich vielen Universen als Möglichkeiten der Wahrnehmung durchdringen, gleichzeitig (falls man wissen kann, was Zeit ist) und am selben Ort (falls man sich auf drei Dimensionen beschränkt) – unergründbar für uns, weil wir unendlich eng fixiert sind auf das, was zu unserer Wahrnehmung passt. (notMute-Artikel  Wir sind der Schneider, wir sind der Leib des Universums)
Das Universum ist ein ideelles Konstrukt der Wahrnehmung. Dieses Konstrukt ist vor allem ein Filter – um Sinn aus dem Chaos zu filtern.

Nachtrag 2012-12:
Weniger trivial, aber genauso gefangen in der schmalen Spur unserer Mathematik und Spekulation:
Scrutinizing the Cosmological Constant Problem and a possible resolution (Denis Bernard, André LeClair).
Not Even Wrong

Nachtrag 2013-01:
www.newscientist.com/ ..Earth may be crashing through dark matter walls