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IDEALISTISCHE BETRACHTUNGEN - ZUR ERKENNTNISTHEORIE,
ZUM MINISTERIUM FÜR INFORMATIONSBESCHAFFUNG
UND ZU DEM GANZEN SOZIOLOGISCHEN REST
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Ein Kommentar zu:
Ulrich Walter,
"Quo vadis, Homo spaciens?"
TELEPOLIS spezial 02/2007, Kosmologie
notMute Artikel


Brave New Species – Kolonisierung der Milchstrasse

Kolonisierung der Milchstrasse

Die Fortschrittseuphorie im Artikel von Ulrich Walter [1] liest sich so:
"Der Menschheit mag nur ein relativ kurzes Leben auf der Erde beschieden sein, ihre Lebensaussichten in unserer Milchstrasse hingegen sind überwältigend."

Glaubt der Autor Ulrich Walter tatsächlich, dass es einst (in vielleicht 300 Jahren) [2] bei der Verabschiedung einer interstellaren Mission zur Kolonisierung heißen wird:

"Gute Reise! – Nach fünftausend Jahren getrennter Entwicklung einer geteilten Menschheit sehen wir uns wieder. – Wer weiss, dann vielleicht als unversöhnliche Feinde wegen gegensätzlicher Auffassungen, was Sinn und Freiheit des menschlichen Lebens betrifft. – Also bis dann, und bleibt friedlich, Jungs."

Nein, natürlich nicht. U. Walter ist kein Idiot. Jeder, der die Situation von Gesellschaften auf der Erde hochrechnet, weiss, daß die Besiedlung von Exoplaneten nicht ein "Entlassen in eine offene Zukunft" bedeutet, sondern daß sie eine Mission sein wird unter absolut irreversibler politischer Hörigkeit.

Eine bei Bedarf zwar auch mörderische, aber im Vergleich eher harmlose Form solcher Hörigkeit ist der militärische Befehl (wie ihn Leutnant (?) Ulrich Walter als Astronaut kennt – ohne die dem Befehl immanente Unfreiheit auch nur ansatzweise publik machen zu wollen). Diese Form der Hörigkeit ist gegenwärtig ausreichend – eine Meuterei im All könnte ohnehin nicht autark agieren.

Die Bedingung für eine von den Ressourcen der Erde sich abkoppelnde Menschheit im All allerdings ist die militärische Unterwerfung/ Entmenschlichung der Menschheit in der Dimension des Totalen – nicht nur organisatorisch oder technisch, sondern ethisch-sozial.

Fussfesseln, Angehörige als Geiseln, implantierte Todes-Chips, Drill, Gehirnwäsche ab Geburt, genetisch manipulierte Drogenabhängigkeit – all das, was heute für freiheitlich veranlagte Menschen vorstellbar bzw. in Anwendung ist, wird archaische Kinderei und nicht nötig sein – in einer hermetischen, totalen Gesellschaft.

Eine Hörigkeit, die über 30 Lichtjahre hinweg greift, muss wahrlich ultimativ sein!

Ein Zivilisations-Freischaltcode wird auf einem periodischen Lichtstrahl von Mutter Erde in die kolonisierte Milchstrasse gesandt. [3]  Beim Versuch einer Befreiung bleibt der Strahl aus und der dortigen "Zivilisation" werden die Eier abgeschnitten.
Man wird es "Einsichtsfähigkeit des höheren Menschen" oder einfach "Homo spaciens" nennen. – Was das ist (und was Herrn Ulrich Walter dazu treibt, dessen Bedingung auszublenden), möchte man besser nicht wissen.

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[2] (Nachtrag 2014-02):
Nach dem ressourcen- und umweltbedingten Tod der Menschheit, dessen Einsetzen in vielleicht 200 Jahren zu erwarten ist, wird der Macht-Elite, die sich ihr Überleben gesichert haben wird, die vergangene Bevölkerung von 10 Milliarden Menschen wie die Epoche eines pestartigen Exzesses erscheinen.
Wenn die auserwählten Gene dieser faschistoiden Elite auf die interstellare Reise geschickt werden, wird "die Menschheit", wie sie Herr Walter strahlend vorzeichnet, ein überwundenes 'ethisches Übel' gewesen sein.

— Diesen gesamten Artikel habe ich später zum Ausgangspunkt für mein umfangreiches Essay gemacht über
 Biodiversity, interstellar space colonization and transhumanism (2014-12).

[1] Ulrich Walter, "Quo vadis, Homo spaciens?"
Fachartikel in TELEPOLIS spezial 02/2007, Kosmologie, S. 6-11, Heise Zeitschriften Verlag, Hannover

[3] (Nachtrag 2014-07) Externe Web Links:

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