Dieser Planet wird menschenleer seine Bahn ziehen

Der Kollaps des Ökosystems Erde ist ein sozialökonomischer Prozess [1]

Greta Thunberg: "Der Klimawandel ist eine Existenzkrise. Die Zeit der Panik ist gekommen." Bild und Video: "BBC Radio 4 Today", 2019-04-23

"Nachdem die Studie [welche der vielen auch immer] nun veröffentlicht ist, kann niemand mehr sagen, er habe es nicht gewusst."
Tja, na und? – Es sagt ja auch kaum jemand, er wüsste es nicht. – Und zwar seit vierzig Jahren.
Seit vierzig Jahren verkünden die Medien und Forschungsinstitute diesen Satz zum Ökosystem Erde  (dem, bei genauer Betrachtung, jedes Verstehen gesellschaftlicher Prozesse abgeht).
Der Transhumanismus (dito der Zukunft der Menschheit gewidmet, siehe Punkt 9) fügt nun eine zynische Komponente hinzu.

* * *

Greta Thunberg's Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit bei dem, was sie für die Wahrheit und für das Richtige hält, beeindruckt.

Im Folgenden gebe ich allerdings ein paar Antworten auf die fundamentalen Unzulänglichkeiten in der Weltsicht der Bewegung #FridaysForFuture.
Zwar ist eine frische und unbelastete Naivität das Vorrecht der Jugend. — Aber die Frische und die Naivität sind nur oberflächlich ein Bonus für den Jugendprotest. Inhaltlich macht die wirre Deformiertheit der politischen THESEN dieser Generation das Ende der Welt zu einer unvermeidlichen Konsequenz.

 1.   "Die Generation Greta ist die erste, die es ernst meint mit dem Öko-Protest."

Falsch. Die Generation Greta ist die erste, bei der es albern wäre, es noch "ernst zu meinen".
Es macht dieser Generation nur einfach keinen Spaß, die erste zu sein, die wirklich bezahlen muss. Das ist ihr ganzes "Verdienst".

Wirklich ernst (im Sinne von 'letzte Chance') war es bei der Generation zuvor.
Und ich fürchte, es was bereits albern, als ich meine eigenen letzten Proteste mit 'letzte Chance' betitelt hatte.
ITER - Die Welt ist nicht mehr zu retten!  (2006)
Der Auftritt von Barak Obama auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen 2009"Care about climate? – It doesn't make sense."

 2.   "Der Politik fehlt der Wille, z.B. zur drastischen CO2-Steuer."

Falsch. Eine CO2-Steuer müsste, um ökologisch wirksam zu sein, so drastisch ausfallen, daß sie das bisherige Gesellschaftssystem kippt.

Aber das System des Kapitalismus zieht es vor, durch das CO2 selbst gekippt (zum Untergang genötigt) zu werden, bevor es sich (einsichtig) von einer CO2-Steuer kippen lassen würde. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Der Punkt ist, Politik hat in der entwickelten Industriegesellschaft nur in minimalem Umfang einen "Willen". Westliche Politiker setzen die ökonomischen Interessen ihrer Förderer um (siehe u.a. AfD)... oder sind sehr schnell keine mehr. Gestaltungsspielraum ist da nur vorgetäuscht. Diese Politiker würden niemals zugeben, daß die westliche Demokratie, daß das Prinzip 'freier Wettbewerb', den Untergang der Menschheit zu verantworten hat. (Wer bremst, verliert.) [2]
Es wird also kein "Globales Chinesisches Zentralkomitee" geben, das von den bisherigen Großmächten zur Weltrettung autorisiert ist, d.h. zur nötigen diktatorischen Machtausübung autorisiert ist.
(Die Chinesen könnten das umsetzen. – Siehe dortige Ein-Kind-Politik oder das Social Scoring System.)

(Nachtrag 2019-05:)  Medial war der Effekt des Video-Statement einfach genial. Aber inhaltlich leider doch ziemlich dämlich: "Wir fordern von der Politik einen drastischen Wandel zur Rettung des Planeten."
Allen Ernstes !? Diese Jugendlichen fordern von der Politik selbst, das System und dessen Politik zum Teufel zu jagen. – Was glauben die denn, was Politik eigentlich ist? Als würden politische Pflästerchen, als würden Elektro-Autos, das Verbot von Plastiktüten, die Halbierung von Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung etc. auch nur irgendetwas am Kollaps des Ökosystems Erde ändern. Als könnte sich Politik von ihrem Auftrag zur Verhinderung einer Systemänderung lossagen.

Der heutigen Jugend wird eben systematisch jede politische Bildung vorenthalten. Es geht nicht um das Leugnen der (im Video immer wieder beschworenen) wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Ökosystem. Es geht darum, zu begreifen, daß denen, die sich als Elite sehen, die sich nicht einmal als Teil der Menschheit sehen, das Schicksal der Erde und der Menschheit einfach egal ist ... und daß keine Art von Politik (gäbe es denn so etwas wie "Politik gegen die Mächtigen") an dieser inzwischen entschiedenen Machtfrage noch irgend etwas ändern könnte.
(Solche Illusionen ausgerechnet auf die EU-Wahl 2019 zu projizieren, ist der Gipfel der grünen Verblödung.) [3]

 3.   "Wir fordern drastische Maßnahmen."

Das ist o.k. ( – macht aber lange Gesichter bei den freitäglichen Wohlstandsschnöseln). Zur Einstimmung hier ein paar Beispielmaßnahmen:

Die aufgelisteten Maßnahmen sehen "drastisch" aus (aber plausibel). – Nur, in Wahrheit sind sie etwas anderes, nämlich (für eine Übergangszeit) in hohem Maße tödlich.
Die Hälfte der Weltbevölkerung wird daraufhin ihren Lebensunterhalt auf dem Schwarzmarkt und in mafia-artigen Organisationen verdienen. Es werden Anarchie, Chaos und Panik regieren. (Es sei denn, den Chinesen wird die Kontrolle übertragen. Aber viel wahrscheinlicher sind viele Millionen von Todesopfern jedes Jahr.)

Sollen nun alle Freitagsdemonstranten mit dem Schild "Wir fordern drastische Maßnahmen" wegen Anstiftung mit tausendfacher Todesfolge strafrechtlich verurteilt werde? – Schwere Entscheidung (...oder auch nicht, denn keine der Maßnahmen wird je getroffen werden.)

 4.   "We want a future. Is that asking too much?"

Ja, die Forderung ist Unsinn. Es gibt kein Recht auf Zukunft. Die zitierte Frage von Greta Thunberg auf einer Demo in Berlin (29. März 2019) meint, es stünde ihrer Generation eine lebenswerte, menschliche Zukunft zu. Aber die Gesellschaft, die dieses Recht verfassungsmäßig verspricht, verspricht etwas, worüber sie gar nicht verfügen kann.
Die Generation Greta sollte besser ihre Eltern fragen, warum sie in eine Welt ohne Zukunft gesetzt wurde.

 5.   "Die älteren Generationen haben versagt."

Falsch. Da gibt es kein Versagen oder Bestehen. Niemand im Westen kann beschließen: 'Wir retten jetzt die Welt.'
Eine solche Vorstellung hat keine Ahnung von objektiver, unvermeidlicher Ohnmacht, z.B. vom Handlungsradius, den ein Mensch als gesellschaftlicher Akteur wahrnehmen kann (der Marx'sche Begriff dazu wäre 'Qualitätsstufen').

Als Privatperson kann sich jemand vornehmen 'Ich rette die Welt'. Aber auf einer höheren Qualitätsstufe (nicht einfach als Mensch, sondern z.B. als Vorstand eines Großunternehmens) kann diese Person das nicht. Sie kann nur eines sagen: 'Ich rette die Firma'. – Wer bremst, verliert.
Schon gar nicht können ganze Machtapparate wie Staaten oder Militärblöcke entscheiden: 'Wir verzichten auf unsere Macht, zugunsten der Weltrettung'.

 6.   "Jeder weiß, was eigentlich zu tun ist. Die Welt muß jetzt handeln."

Falsch. Niemand will wissen, was zu tun wäre. Weil jeder weiß, was er nicht tun kann: 'Ab sofort Flugverkehr nur für Notfälle erlauben, Kreuzfahrtschiffe verbieten, Containerschiffe nur für Lebensnotwendiges etc.'.
Niemand ist in der Lage, so zu handeln, objektiv nicht. (Kein Staat, keine Gesellschaft kann vermitteln, den eigenen Status aufzugeben, ihr Nationaleinkommen, ihre Sozialpläne, ihr internationales Gewicht...)

Die Amerikaner sprechen gern von 'decision making': alles ist eine Frage von richtigen Entscheidungen und problemlösender Technologie.
— Aber diese amerikanische Technologiegläubigkeit folgt einer Schimäre. Genau solche "Entscheidungen" kann Demokratie, kann der freie Wettbewerb von Kräften, eben nicht leisten. Diese "Entscheidung", die da zu treffen wäre, gibt es nicht. Wer sollte die denn wo treffen? Soll das Weiße Haus sagen "Das U.S.-Militär ist der größte Umweltverschmutzer der Welt – wir schaffen es ab"?

 7.   "Der Mensch kann und muß jetzt vernünftig handeln."

Falsch. Vernunft spielt (in der Menschheitsgeschichte als Ganzes) keine Rolle – eine soziologische Binsenweisheit.
Der Prozess der Weltgeschichte und erst recht der Prozess des Untergangs des Ökosystems Erde ist nicht steuerbar durch Vernunft (solange die Weltgeschichte auf Wettbewerb beruht).
Im Detail fließt Vernunft ein, einzelne Ziele können vernünftig sein, aber die Ergebnisse dieser Prozesse sind ausschließlich dem Zwang des Faktischen geschuldet.
Das bedeutet nicht einmal, daß der Mensch 'in der Not klug wird', sondern, daß ihm keine Wahl bleibt, als der Not zu gehorchen.
Der Mensch stirb, wenn ihm die Möglichkeit zu leben genommen ist.

 8.   "Lange wissenschaftliche Messungen haben gezeigt, an welchem Belastungspunkt die Umwelt irreversibel kippen wird."

Es braucht keine Wissenschaft! Der Bestand an Wirbeltieren auf der Erde ist seit 1970 um 60 Prozent zurückgegangen. Das ist tausendmal schneller als das Aussterben der Dinosaurier.
10 Milliarden Menschen produzieren so viel Giftstoffe, daß es keine Wissenschaft braucht, das Ende kommen zu sehen. Und es braucht auch keine Wissenschaft, um zu sehen, daß 10 Milliarden Menschen nicht zu einer 99%-Kreislaufwirtschaft zu bringen sind.

Jeder Organismus, der z.B. Harnstoff produziert, geht daran zugrunde, wenn er den Stoff nicht ausscheiden kann. Das Ökosystem Erde kann überhaupt nicht ausscheiden. – Das 'Prinzip Wachstum' führt also unvermeidlich (und ziemlich schnell) zum Ende.
Die Abfallstoffe aus einem Wachstum aber (wie z.B. Harnstoff) werden erst dann ernst genommen, wenn sie einen umbringen. Auch dazu braucht es keine wissenschaftlichen Erhebungen, nur die Erfahrung des Todes.
Allerdings, Diagramme der Forschung buchstabieren es in der Tat genauer:
T – O – D.

Die Entwicklung des CO2-Gehalts in der Erdatmosphäre über die letzten 10.000 Jahre
Bild: Scripps Institution of Oceanography

➡️ Mapped: The world’s coal power plants
➡️ Mapped: More forest fires now burning in Angola, Congo than Amazon

 9.   "There is no Planet B."

Richtig – zumindest keiner für die Menschheit. – Aber... die Feinde der Menschheit spekulieren auf den Planet B[4]
Diese Feinde nennen sich 'die Elite', 'die Auserwählten', 'die Transhumanen'. Sie verfolgen (neben anderen, siehe [6] und [7] ) das folgende Ziel:
alle verbliebenen Ressourcen der sterbenden Menschheit darauf zu lenken, die Gene der Auserwählten in Richtung Exoplaneten abzufeuern – zusammen mit dem gesamten technologischen und kulturellen Wissen der Menschheit. [5]

Es gibt bereits in heutiger Zeit genug Transhumanisten (man sollte besser sagen: Idioten), die diesen Raub (das größte Verbrechen, das überhaupt vorstellbar ist) herbeisehnen. Sie posten auf Twitter ihr Lebensgefühl wie folgt: "Born too late to explore Earth. Born too early to explore space".

Natürlich wird es niemals bemannte interstellare Raumfahrt geben. Aber die Textpassage 'born too early' kann ich nachvollziehen. Ich wäre gern in 200 Jahren (wenn nur noch ein paar hunderttausend Erdbewohner übrig sind) dabei, im Endzeit-Guerilla-Kampf das eigene Leben zu geben, um diese "Elite" zu töten.
Es wäre erfüllend und es wäre Gerechtigkeit, jene, die das Ende der Menschheit und der Erde planen, mit ihrem Verbrechen (und mit ihren Genen ) nicht davon kommen zu lassen – in Richtung Exoplaneten der Milchstraße.

➡️ r/ Futurology 
➡️ Interview mit Max Schnetker zum Transhumanismus (2019-07, Telepolis)

 10.   "Profite machen ohne die kommenden Generationen mit einzukalkulieren – das geht heute nicht mehr."

Falsch. – Und ob das geht. Einen "Generationenvertrag" im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit hat es nie gegeben und wird es im Kapitalismus nie geben. Oder glauben die jungen Freitagsdemonstranten, das Freikaufen der Atomindustrie (2016) aus ihren Folgekosten (Endlagerung) geschah aus Ahnungslosigkeit was die Zukunft betrifft?
Nein. Politik und Wirtschaft wissen genau, daß ein wirklicher Bilanzausgleich mit der Zukunft tödlich wäre für den Kapitalismus. Bei den Folgekosten (nicht nur in der Atomindustrie) geht es über Jahrtausende um vielfache Billionenbeträge, die niemand anderes bezahlen soll als künftige Generationen (vorausgesetzt, es gäbe diese noch) – und zwar in kalkulierter Absicht.

 11.   "Activism works. So act!"

Act! – Dem stimme ich zu. Aber es funktioniert leider nicht.
(Wenn ich die Thesen von #FridaysForFuture 'falsch' nenne, heißt das nicht, daß es falsch wäre, diese öffentlich und dennoch zu propagieren und weiter Forderungen zu stellen.)

➡️ www.fridaysforfuture.org/events
➡️ Luisa Neubauer: Kohleausstieg in Deutschland bis 2030 (2019-07, Dlf)
➡️ Climate protestors storm Garzweiler coal mine (2019-06, BBC.com)

 12.   "It’s late, but there’s still time. Anything is possible."

Das ist zwar gelogen, aber es ist o.k.
Wer mobilisieren will (zu welchem Zweck auch immer), muss Erfolg vermitteln. Allerdings wird das nicht lange gutgehen. In ein paar Jahren werden die meistgeschauten Live-stream-Videos von den Cams an den Grönland-Abflüssen kommen, wo Milliarden Tonnen des größten Schatzes der Menschheit (reinstes Trinkwasser) Tag und Nacht in die saure, tote Brühe des Ozeans stürzen.

[1]  Die dunkle Ankündigung in der Überschrift (ein Zitieren des letzten Satzes aus Mein Kampf) wird Realität (inzwischen unvermeidliche Realität). Die wissenschaftliche Frage ist, wann.
Es ist unüblich, die Quelle Mein Kampf zu zitieren. Ich tue es trotzdem, da es in meinem Artikel letztlich und ausschließlich um Totalitarismus, Rasse, Töten und Tod geht.

[2]  Hätte mein Blog nicht einen Wirkradius von nullkommanull, würde meine obige Feststellung wohl als 'verfassungsfeindlich' belangt werden. – Wahr ist sie trotzdem.
Meine Systemkritik hat übrigens wenig mit "Kapitalismus/ Sozialismus" zu tun. Ende der 1960er Jahre hatte ich in einem Schulaufsatz behauptet, die Insel Hiddensee (im Osten damals der Inbegriff für ein unversehrtes Ökosystem) würde sich, gäbe es dort Erdöl, binnen Kurzem in eine stinkende Kloake zum Wohle der DDR verwandeln. Die Aufsatzleistung war für ungenügend befunden worden.

[3]  Susan Bonath schreibt dazu in einem offenen Brief an Rezo:
"...noch ein Wort zur Linkspartei und zu den Grünen:  Ja, auch sie haben sich mit der kapitalistischen Idiotie abgefunden. Ja, auch sie verkörpern als Mitverwalter des Systems die geballte Inkompetenz. Ja, das Märchen vom grünen Kapitalismus ist Schwachsinn."

[4]  2014 hatte ich zum Thema 'Planet B' (damals bereits seit Jahren resigniert) einen (engl.) Abgesang auf die Menschheit verfasst. – Der heutige Artikel ist (aus spätem Anlass) eine deutschsprachige Kurzfassung des damaligen (auf den ich oben mehrfach verlinke).

[5]  Stephen Hawking sagte 2001 in einem FOCUS-Interview (Heft 36, Michael Odenwald):
"Die menschliche Rasse wird erst in Sicherheit sein, wenn sie [...] im interstellaren Raum besiedelbare Welten findet. [...] Die darwinistische Auslese [beim Menschen] arbeitet viel zu langsam [...] Die einzige diesbezügliche Hoffnung sehe ich in der Gentechnik. [...] Es wird zwar ein langsamer Prozess sein, weil man pro Generation rund 18 Jahre warten muss, um Effekte der Genveränderung festzustellen. Dennoch sollten wir diesen Weg einschlagen, wenn wir [...] überlegen bleiben wollen."

Ich hatte damals gegen den Scharlatan Hawking, gegen seine Theorien zur Menschenzucht und später gegen Hawking's kleine, transhumane Verehrer protestiert:
Stephen Hawking im Rassenwahn (2001-09)
The myth of artificial superintelligence (2015-07)
The fate named artificial intelligence (2015-12)

[6]  "Ewiges Leben" — Beam me up, Scotty.
Der Transhumanismus träumt nicht nur von der Chance auf Lebensverlängerung mittels Exoplaneten, sondern auch mittels genetischer Optimierung, technischem Organersatz und gar mittels Upload der Seele in eine IT-Nachbildung des Gehirns.

Als Kommentar zu Letzterem hatte ich 2015 in einem Artikel einen Vergleich von Upload und Beamen angestellt. Hier die deutsche Übersetztung:

William Shatner als Capt. James T. Kirk
auf der Transporter Rampe (Bild: Star Trek)

Jedes mal wenn Capt. Kirk hochgebeamt wird, stirbt seine Seele, es stirbt das Bewusstsein seiner selbst (und zwar ohne Wiedergeburt).
Dem auf der Transporter-Rampe ankommenden neuen Kirk kümmert das nicht. Schließlich ist er, der neue Kirk, froh, jetzt am Leben zu sein. Der alte Kirk hätte dem neuen ein Testament hinterlassen können:
'Du glaubst, du bist ich. Aber das stimmt nicht. Kirk ist tot. Du hast meine Erinnerungen und meine Eigenschaften. Du hast ein Bewusstsein deiner selbst, wie ich es hatte. Aber Kirk ist tot. Du bist ein anderer.'
— Und der neue Kirk hat keine Chance, das zu prüfen oder gar zu fühlen.

Genau die selbe, enttäuschende Situation hat man beim (hypothetischen) Upload der Seele in eine technische Struktur. Auch das perfekte 1:1-Duplikat ist jemand anderes. (Man frage einfach mal reale identische Zwillinge.)

Die viel tiefer gehende Fragestellung ist, ob nicht das menschliche Bewusstsein generell eine Abfolge solcher seelischer Tode ist. Sagen wir mal: alle zwei Sekunden. Der physische Tod wäre dann nicht der seelische Tod (der ist sowieso ständig da), sondern das Ereignis, keinen Nachfolger zu haben.

  meine 'Kirk'-Metapher von 2015
➡️ What happens when we upload our minds? (Motheboard, 2015-06-12)

[7]  Nachtrag 2019-09:
"Naturgesetzlichkeit" des Öko-Kollaps'.
Ob sich David Grinspoon (Planetary Science Institute) selbst als Transhumanist bezeichnet, ist mir nicht bekannt. Aber seine Spekulationen zur Entwicklung von Lebensformen auf Planeten können als stellvertretend angesehen werden.

Auf der diesjährigen Konferenz zur Planetenforschung in Genf (EPSC-DPS 2019) leugnet/ verschleiert Grinspoon, daß die heutige Dominanz des menschlichen Faktors in der Entwicklung des Planeten Erde ('Anthropozän') ein sozialökonomischer und soziologischer Prozess ist. – Statt dessen betrachtet Grinspoon die Erde als Ganzes als ein lebendes Objekt und unterstellt eine "Naturgesetzlichkeit" des Kollapses der meisten Planeten, die eine Zivilisation hervorbringen.

Diese Argumentation ist nun nicht etwa eine Verirrung der "Einzelperson Grinspoon". Nein. Seit Jahrzehnten wird in der westlichen Welt systematisch und strategisch das analytische Denken (wie es Karl Marx vorangebracht hatte) vernebelt und zu Esoterik verdünnt.

Gleichwohl ist die Existenz von Schuldige und von politischen Strategien, die den ökologischen Kollaps der Erde herbeiführen, eine Tatsache. – Zwar lässt sich der Kollaps (im Kapitalismus) nicht verhindern, er ist aber deshalb noch lange kein 'Naturgesetz'.
Genau an diesem Punkt, bei den politisch Schuldigen und den Nutznießern an der Wall Street, ist Grinspoon ein Meister demagogischer Verdummung seiner Jünger.

Im Weiteren allerdings stimmt Grinspoon's Position mit der meinen überein:  Wenn man (fast) allen Kohlenstoff, der über Hunderte Millionen Jahre von Pflanzen in Erdschichten eingelagert worden war, innerhalb weniger Jahrzehnte verbrennt, ist die Folge nicht ein 'Anthropozän', sondern ein neues Erdzeitalter (Äon). Dieses wird konsequenterweise wiederum Hunderte Millionen Jahre währen (und wahrscheinlich vollkommen lebensfeindlich sein).

Bild: @eleniravanis via Twitter

➡️ #EPSCDPS2019 (die Konferzteilnehmer auf Twitter)

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