Das letzte Experiment

Bau der Kernfusionsreaktoren ITER und Wendelstein 7-X  [7]

Inhalt

Zusammenfassung:
Das letzte weltrettende physikalische Experiment heisst ITER[1]
Nach ITER wird keine Gelegenheit mehr sein für Experimente. – Aber die Menschheit wird bereuen, nicht schon vor ITER gesagt zu haben:
Keine Experimente!
Die thermische Situation der Erde ist ultimativ ernst!

Im Mai 2006 sind die letzten Bewilligungshürden genommen worden, um 10 Milliarden EURO für ITER, eine experimentelle Anlage für Kernfusionsreaktionen zur Gewinnung thermischer Energie, ausgeben zu können.

Jedem Physiker ist klar, dass dieses Geld unbedingt für das Gegenteil von ITER auszugeben wäre: für die Abführung überschüssiger thermischer Energie aus den Prozess-Kreisläufen des Planeten.
Aber welcher Physiker hat den Mut, die Politik aufzuklären und zu sagen: Wir wollen eure 10 Milliarden EURO nicht, das Geld wäre kontraproduktiv eingesetzt. Händeringend kämpft die Forschung schliesslich um jede kleine Etat-Bewilligung.

Eine einfache kritische Überlegung zeigt die Fragwürdigkeit des Projektes.
Würde das ITER-Experiment Ergebnisse hervorbringen, lauteten diese so:

Das Prinzip von ITER und W7-X ist abwegig

Selten hat es eine grössere öffentlich geförderte Perversion der Forschung in Europa gegeben, als ITER. [5]
Das Projekt ist eine Perversion, nicht wegen technisch unüberbrückbarer Hürden (wie der unvermeidlichen Verseuchung der Erdatmosphäre mit radioaktivem Tritium), sondern grundsätzlich und im verfehlten Ansatz.
Das Endziel der ITER-Forschung ist es, das Problem des weltweit steigenden Energiebedarfs zu lösen – aber, wie oben gezeigt, mit einem abwegigen, kontraproduktiven Ansatz.

Angesichts der Tatsache, dass innerhalb der nächsten 3 Generationen ganze Nationen durch Dürren und den ansteigenden Meeresspiegel der Ozeane (durch thermisches Ungleichgewicht) vom Erdboden verschwinden werden, muss man nicht glauben, Wissenschaftler wie N. Holtkamp [1] oder Thomas Klinger [2] und verantwortliche Politiker hätten "nicht mehr alle Tassen im Schrank".
Die wissen sehr genau, was sie tun und was sie sind:  Marionetten, die die weltgefährdenden Konsequenzen des Kapitalismus mit technischen Schein- Alternativen zu kaschieren haben, solange es eben geht.
"Nach uns die Sintflut" kann man als deren Wahlspruch wörtlich nehmen [3], nicht erst seit einem so entsetzlich falschen Signal wie ITER.

Kurz-URL: 

[1]  In Südfrankreich entsteht ITER – das größte Fusionsexperiment der Welt.
Dr. N. Holtkamp, im Interview: "Wahrhaft historisch", bild der wissenschaft, Heft 8/2006, S. 90-93. - Wolfgang Hess interviewt Prof. Dr. A. Bradshaw und Dr. N. Holtkamp.

[2]  Dr. Thomas Klinger ist Wissenschaftlicher Leiter und Projektdirektor der Fusionsanlage "Wendelstein 7-X" des IPP Greifswald, einer zeitlich parallel zu ITER entstehenden Anlage in Deutschland mit einem Kostenvolumen von etwas mehr als 1 Mrd EURO.

[3]  Ein weiteres Beispiel für den Filz aus Politik, Forschung und Energiewirtschaft ist das Scheitern der experimentellen Windkraftanlage Growian 1983-1987. Die verhindernde/ manipulierende Absicht hinter der Projektplanung war damals noch aufdeckbar. - Bei heutigen Projekten wie ITER oder Wendelstein 7-X ist die Situation hermetisch.

[4]  Vorstellungen aus der phantastischen Literatur, man könne Energie mit großen "Emittern" in den Weltraum abstrahlen, ist eine Illusion. Für die Abstahlung von Energie ist grundsätzlich mehr Energie im System aufzuwenden, als abgestrahlt werden kann. Das gilt für hochenergetische Strahler, wie auch für Strahler mit geringer Energiedifferenz.
Für letzteren Fall wecken neueste Forschungen Hoffnungen ("Kühlen mit dem kalten Weltraum", Telepolis 2016-03).  Diese Lösungen würden allerdings mehr Fläche mit Blick in den offenen Himmel (Weltraum) brauchen, als Sonnenkollektoren brauchen würden, um die selbe Energiemenge wie Fusionsreaktoren zu liefern, die damit gekühlt werden. - Es macht keinen Sinn.

[5]  Für Perversion der Forschung sind üblicherweise die USA bekannt:
von den damaligen fibrigen Aktivitäten eines Mr. Edward Teller im Manhattan Project bis zu heutigen Forschungen an KI-Waffen, Manipulation des Massenverhaltens durch Big Data und der Modernisierung nuklearer Waffen mit smarten, schlanken Missiles.
Angesichts dessen fragt man sich, ob es nicht vorzuziehen ist, wenn Forschung, wie in Europa, in Teilen "einfach nur sinnlos" ist.

[6]  Korrektur (2016-06):  Das Argument der Erderwärmung muss erläutert werden. Die Hauptursache für die Erderwärmung ist nicht die vom Menschen freigesetzte Wärmeenergie (im 19. bis 21. Jhd. das Verbrennen alles Brennbaren - Kohle, Öl, Biomasse), sondern die u.a. dadurch erfolgte Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 und CH4.  –  Das ändert aber nichts an der Unsinnigkeit von ITER. Es ist Unsinn, der Energiequelle, die im Überfluss vorhanden ist, der thermischen Strahlung (Kernfusion in der Sonne) noch weitere der selben Art hinzufügen zu wollen (Reaktoren).

[7]  Der Artikel ist von mir 2016-06 im CSS-Layout angepasst worden. Dabei habe ich auch einige stilistische Änderungen im Text vorgenommen. Generell ist die Einbeziehung des Themenpunktes Wendelstein 7-X eine spätere Ergänzung.
Meine damaligen (2006) Hauptaussagen habe ich nicht angepasst. – Heute (2016) würde man allerdings nicht so zukunftsplanerisch mit technischen Utopien argumentieren. Heute weiß man, die Zukunft findet nicht statt.
Meiner Meinung nach war der Weltklimagipfel 2009 in Kopenhagen die letzte Gelegenheit, die Menschheitskatastrophe abzuwenden.
(Obama auf der COP15: "It doesn't make sense to control emission.")

Nachtrag 2010-11:  Die Tokamak-Fotografien von Thomas Struth  zeigen eindrücklich, wie die Versuche der Forschung zur Bezwingung von Naturgewalten in einer metaphysischen gesellschaftlichen Bühne gefangen sind.  –  Die Fotos kommentieren, wenn nicht Verantwortungslosigkeit, so doch Seelenlosigkeit einer Forschung, die zwischen Machbarkeitsversprechen und Finanzierungszwängen keine Gelegenheit hat, zu hinterfragen, was sie eigentlich tut.

wendelstein

Foto/ alle Rechte:  Thomas Struth

Nachtrag 2013-03:  Interview vom 06. März 2013 (Deutschlandradio Kultur)  als audio-Datei (mp3, 19 MB)
Meine Beurteilung des Interviews:  Ein 20minütiges Dokument des öffentlich finanzierten 'Sich-mit-sich-selbst-Beschäftigens'.
Die demonstrative Euphorie der Interviewten und deren irreführenden Formulierungen wie "in-Betrieb-gehen der Anlage" können die heimliche Scham der Befragten vor der Sinnlosigkeit ihrer Aktivitäten nicht ganz verbergen (projektgemäßer Betrieb = 0.5g Gas für eine Betriebszeit von 1 Millisekunde unterhalb von Fusionsbedingungen). Der Projektleitung ist sehr wohl bewusst, daß auch in 50-60 Jahren keine industrielle Energieausbeute der Fusionstechnik vorliegen wird – in einer zeitlichen Distanz also, in der die Energie- und Klima-Wende längst über sie hinweg gegangen sein wird.

Nachtrag 2013-11:  Ein weiterer Protest (Telepolis Leser-Kommentar) gegen die Orientierungslosigkeit der Politik und die Willfährigkeit der Wissenschaft:
Die Sonne ist der Kernreaktor mit dem richtigen Abstand zu uns.

Nachtrag 2014-03:  The New Yorker, A Star in a Bottle  (Die lange Historie von ITER in einem affirmativen Essay)

Nachtrag 2015-07:  Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" vor dem Start. Bericht auf heise.de 2014  und  Bericht auf heise.de 2015

Nachtrag 2015-10:  Mehrere Start-ups machen sich daran, den Kernfusionsreaktor ITER zu überholen (heise.de . Technology Review 11/2015)

Nachtrag 2015-10:  Discussion on Wendelstein W7-X  (sciencemag.org Vol. 350)

Nachtrag 2016-06:  Die Gesellschaft verharrt unverändert im "Modus Tunnelblick" - im vorteilsuchenden Tunnelblick auf das Tagesgeschäft, auf das Abschöpfen von Steuermilliarden.  -  Hier einer meiner Kommentare, zehn Jahre nach dem obigen ITER-Artikel:

Nachtrag 2016-07:  Das IPP nennt es "Aufrüstung" von Wendelstein 7-X  und spickt seine Webseite mit den Worthülsen "erfolgreich", "ausgezeichnet", "ertragreich", "aussichtsreich" und "Dauerbetrieb". – Daß es sich bei der vermeintlichen Erfolgsmeldung um die vorläufige Einstellung der Experimente handelt, geht dabei unter.
Ebenso ist die Betonung der "vier Megawatt Heizleistung" einfach nur geschickte (bewusst irreführende) PR. Der Laie bemerkt nicht, daß es sich dabei um den Energieverbrauch der Anlage handelt. (Energieüberschuß, der mit solchen Reaktoren nie erreicht werden wird, wäre utopisch.)
Das Projekt geht mit dieser Meldung also wieder in seinen Standard- "Dauerbetrieb":  Steuergeld ausgeben und verbale Forschungsdemagogie betreiben. (siehe Kommentare auf heise.de)